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Chronische Erschöpfung: liegt die Ursache im Darm?

Wenn Menschen dem Gefühl der Erschöpfung auch durch Ruhepausen und Schlaf nicht mehr Herr werden können, stehen auch Mediziner vor einem Rätsel. Jetzt haben Forscher vielleicht die Lösung für die Frage nach dem mysteriösen Müdigkeits-Syndrom: Sie fanden biologische Marker der Krankheit in Darmbakterien!

Wenn die Müdigkeit einfach nicht nachlassen will und auch Schlaf und Medikamente keine positive Auswirkung auf den Körper nehmen, spricht man in der modernen Medizin vom Chronischen Erschöpfungssyndrom, kurz CFS. Erst seit wenigen Jahren zählt CFS, unter dem mehrere Hunderttausend Patienten in Deutschland leiden, zu den anerkannten Krankheiten. Woher die geistige und körperliche Erschöpfung kommt und was sie verursacht, lag bisher im Dunklen.

Nun haben Forscher rund um Maureen Hanson an der Cornell University die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der chronischen Müdigkeit bereithält. Mithilfe von Stuhlproben und Blutbildern konnte das Team bei 83% von 87 getesteten Patienten das Chronische Erschöpfungssyndrom, auch myalgische Enzephalomyelitis genannt, diagnostizieren – ein wichtiger Schritt auf dem Weg, die Ursache für die Krankheit besser zu verstehen.

Indem sie biologische Marker einsetzten, um die Vielfalt der Darmflora bestimmen und mit Entzündungssignalen im Blut verglichen, fanden die Forscher heraus, dass die Darmflora der CFS-Patienten nicht auf einem ausgewogenen Niveau liegt. „Daraus folgen wahrscheinlich entzündliche Symptome, die Magen und Darm betreffen“, erklärt Maureen Hanson, „und darüber hinaus beweist unsere Entdeckung einer biologischen Abweichung, dass die Krankheit keineswegs psychologisch begründet ist.“

Entzündungsfördernde Bakterien im Überfluss

Den Studienergebnissen zufolge ist die Darmflora bei den von CFS Betroffenen wesentlich weniger ausgeprägt als bei gesunden Patienten. Die Versuche der US-amerikanischen Forscher zeigen: während entzündungshemmende Bakterien (im Vergleich zu einer gesunden Darmflora) in ihrer Vielfalt abnahmen, traten entzündungsfördernde Bakterien vermehrt auf. Kein Wunder also, dass nicht nur Entzündungen im Darm entstehen, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf den Körper.

Als die Forscher die Studie begannen, hatten 48 der Probanden bereits die Diagnose CFS erhalten. Die anderen 39 waren laut ärztlichem Befund gesund. Die Untersuchungen der von den Probanden zur Verfügung gestellten Blut- und Stuhlproben ergab, dass aber insgesamt 83% der Probanden ähnliche Symptome für die Erschöpfungskrankheit aufwiesen, d.h. eine verringerte Bakterienvielfalt im Darm sowie entzündliche mikrobielle Signale im Blut.

Übergriff vom Darm ins Blut?

Ob die fehlende Bakterienvielfalt im Darm aber tatsächlich die eine Ursache für die chronische Erschöpfung ist, nach der man so dringend sucht, ist trotz des Erfolgs der Studie noch unklar. Da aber längst bekannt ist, wie engmaschig das Mikrobiom im Darm mit dem Wohlbefinden unseres Körpers verknüpft ist, liegt die Vermutung nahe, dass auch hier ein Zusammenhang besteht. Die Forscher vermuten, dass die Darmbakterien aus dem Darm ins Blut gelangen und dort für Entzündungen sorgen. Diese wiederum greifen das Immunsystem an und könnten verantwortlich zeichnen für die Verstärkung der Symptome der chronischen Erschöpfung.

Ludovic Giloteaux, Forscher und neben Hanson Autor der Studie, blickt zuversichtlich auf die angestoßene Forschungsrichtung: „Möglicherweise wird diese Technik zukünftig andere nicht-invasive Diagnoseverfahren unterstützen. Wenn wir genauer wissen, wie sich die Darmbakterien auf die Patienten auswirken, könnten die Mediziner u.U. auch eine Umstellung der Ernährung, die Verabreichung von Präbiotika oder Probiotika erwägen, um CFS zu behandeln.“

Das Team rund um Hanson und Giloteaux will nun herausfinden, ob neben den Bakterien auch Viren und Pilze, die im Darm auftreten, als Ursache oder Verstärker des Chronischen Erschöpfungssyndroms in Frage kommen. Bis die Forschung soweit ist, eine einheitliche und wirksame Behandlung für CFS-Betroffene bereitzustellen, helfen aber weiterhin nur Ruhe, Schlaf und herkömmliche Medikamente.

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