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Darm an Niere: „Blutdruck runter!“

Forscher an der Johns Hopkins Universität haben angeblich einen neuen Weg gefunden, den Blutdruck zu steuern. Ein kleiner Hinweis vorab: Darmbakterien spielen eine Rolle.

Die neueste medizinische Forschung hat mal wieder für einen Aha-Effekt gesorgt: Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Darmbakterien einen unerwarteten Einfluss auf den Rest des Körpers haben. Unser Körper beherbergt 1,5 Kilogramm dieser Kleinstlebewesen, die neben unserem Immunsystem sogar beeinflussen können, ob wir übergewichtig sind. Nun scheint es, als könnten diese Mikroorganismen auch in Sachen Blutdruck eine Rolle spielen.

Jennifer L.Pluznick, Assistenz-Professorin für Physiologie, und ihr Team an der Johns Hopkins Universität für Medizinhaben vor kurzem festgestellt, dass es möglicherweise eine Verbindung zwischen den Bakterien im Darm und der Steuerung des Blutdrucks über dieNierengeben könnte. Die Forschung steht zwar noch in den Kinderschuhen, aber Pluznicks Ansatz könnte eines Tages den Menschen helfen, hohen Blutdruck, der keine bekannte Ursache hat, zu steuern.

Hoher Blutdruck kann tödlich sein – und er ist relativ häufig

Einer von drei Erwachsenen in den USA habe hohen Blutdruck, gibt das „National Heart, Lung, and Blood Institute“ an. Gerät der Blutdruck aus dem Gleichgewicht, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls, so das „Center for Disease Control and Prevention“.

Die häufigste Form von Bluthochdruck wird als primäre Hypertonie bezeichnet. Da sie keine Probleme bei den Organen, die mit dem Blutdruck in Verbindung stehen, verursacht, ist es schwierig, ihre Ursache zu bestimmen und zu behandeln. Aus diesem Grund ist Pluznicks Forschung besonders interessant: ihre Arbeit zeigt, dass eine Verbindung zwischen dem Darm und den Nieren Wege aufzeigen kann, hohem Blutdruck entgegenzuwirken.

Die Nieren sind der Schlüssel zur Regulierung des Blutdrucks

Nierenzeichnung von Gray’s Anatomy (1918)

Die Nieren kennt man als das Organ, das die Abfallstoffe aus dem Blut filtert und sie über den Urin ausscheidet. Sie stabilisieren aber auch unseren Blutdruck, indem sie ihn ständig optimieren, während wir essen, trinken und verdauen. Dieser Mechanismus funktioniert durch die Überwachung des Flüssigkeitsvolumens im Körper. Die Nieren kontrollieren außerdem den Salzgehalt des Körpers, denn zu viel Salz erhöht die Flüssigkeitsmenge im Körper, die wiederum den Blutdruck erhöht. Die Nieren können sogar ein besonderes Molekül einsetzen, um die Blutgefäße zu straffen, um, wenn notwendig, den Blutdruck im ganzen Körper zu erhöhen.

Aber was hat das jetzt alles mit dem Darm zu tun?

Darmbakterienhelfen dabei, Nahrung in Stoffwechselprodukte umzuwandeln.Dafür stellen die Bakterien kurzkettige Fettsäuren her, die durch den Blutkreislauf reisen, um Energie zu den meisten wichtigen Organen wie den Nieren zu transportieren.

Pluznick und ihr Team fanden kurzkettige Fettsäure-Rezeptoren, die für die Blutdruckregulation wichtig sind, in Zellen innerhalb und außerhalb der Niere. In ihrer Forschung konzentrierten sie sich auf zwei Rezeptoren innerhalb der Niere: Grp41 und Olfr78.

Pluznick erklärt: „Wir wussten, dass Olfr78 in Zelltypen gefunden wurde, die die Blutdruckregulierung beeinflussen, aber zu der Zeit war uns nicht bekannt, wofür dieser Rezeptor ein Rezeptor war.“ Also wollte sie herausfinden, was die Rezeptoren aufnehmen – und das stellte sich als die von Darmbakterien hergestellten Fettsäuren heraus.

Im Gegentest der Verbindung zwischen Darmbakterien und Blutdruck war das Team in der Lage, den Blutdruck einer Maus durch die Injektion von kurzkettigen Fettsäuren in die Blutbahn zu verändern.

Darmbakterien können beeinflussen, ob eine Niere den Blutdruck senkt oder erhöht

Laut Pluznick ist es der GPR41-Rezeptor, der durch relativ niedrige Konzentrationen an kurzkettigen Fettsäuren aktiviert wird und den Blutdruck senkt. Im Gegensatz dazu reagiert Olfr78 auf eine hohe Konzentration von kurzkettigen Fettsäuren – und erhöht bei Bedarf den Blutdruck.

Wie aber funktioniert das, wenn die beiden Rezeptoren gleichzeitig wirken? Wenn Olfr78 den Blutdruck steigen lässt, während Grp41 ihn gleichzeitig herunterfährt, wird das Ergebnis ein langsamer Rückgang des Blutdrucklevels sein. Da niedriger Blutdruck ebenso gefährlich sein kann wie hoher, ist es durchaus nützlich, mit Olfr78 eine Gegenkraft zu haben.

„Die Niere ist einfach unglaublich cool“

Die Forschungsergebnisse überraschten selbst die Wissenschaftler. Pluznick und ihr Team hatten nicht erwartet, dass die Nierenrezeptoren auf kurzkettige Fettsäuren im Darm reagieren würden. So konnten sie eine Verbindung zwischen den Nieren und den Darmbakterien herstellen. Pluznick fügt hinzu, dass sie jedoch nie wirklich von der Niere überrascht sei, die für die Erhaltung des Gleichgewichts im Körper auf vielfältige Weise zuständig ist. „Es gibt so viele grundlegende Elemente und Prozesse, die die Niere im Auge behalten muss „, sagt sie.

„Die Niere ist einfach unglaublich, unglaublich cool.“

Aus dem Englischen übertragen

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