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Jonathan Eisen: Lerne Deine Mikroben kennen

Unsere Körper sind von einem Meer von Mikroben bedeckt – sowohl die Pathogene, an denen wir erkranken, als auch die „guten“ Mikroben, über die wir weniger Bescheid wissen, die uns vielleicht gesund halten. Auf TEDMED teilt Mikrobiologe Jonathan Eisen den aktuellen Wissensstand, inklusive einiger überraschenden Möglichkeiten, diese guten Mikroben zu nutzen.

Auszug aus dem übersetzten Transkript:

Diese Studien haben also belegt oder darauf hingedeutet, dass es aus einer Vielfalt von wichtigen Funktionen der mikrobiellen Gemeinschaft diese Wolke gibt, die Nicht-Pathogene, die in und auf uns leben. Und ein Gebiet, das ich für sehr interessant halte, und das haben jetzt viele von Ihnen, da wir die Mikroben ins Publikum geworfen haben, ist quasi eine „Furcht vor Bakterien“. Die Leute stehen total auf Sauberkeit, nicht wahr? Wir haben Antibiotika in unseren Küchentresen, die Leute waschen andauernd jeden Zentimeter davon, wir pumpen Antibiotika in unser Essen, in unsere Gemeinschaften, wir nehmen Antibiotika im Überfluss.

Und Pathogene umbringen ist eine gute Sache, wenn man krank ist, aber wir sollten verstehen, dass wenn wir Chemikalien und Antibiotika in unsere Welt pumpen, wir dann auch die Mikrobenwolke, die in und auf uns lebt, umbringen. Und der ausschweifende Gebrauch von Antibiotika, insbesondere bei Kindern, wird bewiesenermaßen wieder mit Risikofaktoren verbunden, für Fettsucht, für Autoimmunerkrankungen, für eine Vielfalt an Problemen, die wahrscheinlich der Störung der mikrobiellen Gemeinschaft zuzuschreiben sind.

Was können wir also tun, um unsere mikrobielle Gemeinschaft wiederherzustellen,
wenn wir Abertausende von Gattungen auf uns tragen?

Nun, Tiere tun da offenbar eine Sache, sie essen Kot – Koprophagie. Und es stellt sich heraus, dass viele Tierärzte, besonders die Tierärzte der alten Garde, so genannten „Kacketee“ herstellen, nicht Kack-Tee, sondern Kacketee, um Koliken und andere Leiden bei Pferden und Kühen und so weiter zu behandeln,man stellt also Tee aus dem Kot von gesunden Exemplaren her und verfüttert den an ein krankes Tier. Insofern man aber keine fistulierte Kuh mit einem großen Loch in der Seite hat und man seine Hand in ihren Pansen stecken kann, ist es schwer sich vorzustellen, dass die Zubringung von Mikroben direkt in den Mund und durch den gesamten oberen Verdauungstrakt die beste Zubringungsmethode ist. Sie haben also vielleicht gehört, dass bei Menschen nun Fäkaltransplantate gemacht werden, wo man anstatt ein paar probiotische Mikroben mündlich zuzubringen, man eine Gemeinschaft von Probiotika zubringt, eine Gemeinschaft von Mikroben aus einem gesunden Spender, durch das andere Ende.

Und das hat sich als sehr effektiv herausgestellt beim Kampf gegen gewisse kompromisslose Infektionskrankheiten, wie Infektionen mit Clostridium difficile, die sich jahrelang in Menschen aufhalten können. Transplantationen von den Mikroben aus den Fäkalien eines gesunden Spenders haben sich tatsächlich als Heilmittel für systemische C.-dif-Infektionen bei manchen Leuten bewiesen.

 

 

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