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Ernährung und Medizin: Nur so gut, wie es unser Darm erlaubt

Das menschliche Mikrobiom, d.h. die Mikroorganismen, die vor allem im Darm siedeln, könnte den Konsum von personalisierten Medikamenten und Ernährung auf eine neue Ebene heben. Aufbauend auf dem „Human Genome Project“ bieten technologische Fortschritte möglicherweise schon in naher Zukunft die Möglichkeit, Krankheitsdiagnose und Behandlung enorm zu präzisieren.

Mikrobiom – das unerforschte Organ

Das Mikrobiom wird in der Forschung als Organ betrachtet, das lange unentdeckt und somit unerforscht geblieben ist. In jüngster Zeit zeigte sich jedoch, dass die Darmflora das Potenzial haben könnte, die Diagnose und Behandlung von Krankheiten zu revolutionieren. Zu den Erkrankungen der Moderne, die eng mit dem Darm zusammenhängen, zählen u.a. Morbus Crohn, Diabetes, Fettleibigkeit, akuter Durchfall, verschiedene Krebsarten sowie psychische Störungen.

Zwar hat die Pharmaindustrie schon eine Reihe von mikrobiellen Aspekten der Gesundheit erforscht, doch bislang dominieren Probiotika. Gewichtskontrolle durch Probiotika macht zum Beispiel schon jetzt einen Markt von rund 60 Mio. Dollar aus – allein in den USA.

Wie unser Darm bestimmt, welches Essen gut für uns ist

Als wäre der menschliche Organismus nicht schon kompliziert genug aufgebaut, besitzt jeder Mensch eine einzigartige mikrobielle Struktur. Mit anderen Worten: die Medizin sollte das berücksichtigen, wenn Sie die bestmögliche Wirkung haben will. Seit einigen Jahren wird deshalb zunehmend in die Entwicklung von personalisierter Medizin investiert, mit bislang allerdings sehr überschaubarem Erfolg.

Anfang 2016 haben zwei Forscher des Weizmann Institutes of Science eine Studie veröffentlicht, die sich mit der Reaktion auf Nahrungsmittel beschäftigte, und zwar abhängig davon, welche Mikroorganismen sich im Körper befinden. Das wichtigste Ergebnis dieser Studie ist, dass kein einziges Nahrungsmittel auf zwei Menschen denselben Effekt hat – die Frage, ob Ernährungsempfehlungen aufgrund des individuellen Mikrobioms personalisiert werden sollten, scheint eine logische Konsequenz.

Wie lässt sich aber festlegen, was eigentlich „gesund“ ist, wenn „gesund“ für jeden Menschen etwas anderes bedeuten kann?

Einige Unternehmen haben bereits erkannt, dass der Trend von der Masse zur Individualisierung geht: Erste Tests mit profilierten Gruppen, die sich nicht auf demographische Merkmale, sondern auf die Zusammensetzung des Mikrobioms stützen, könnten die Grundlage für ausgeweitete Studien auf diesem Gebiet bilden.

Die Weizmann-Studie, sofern ihre Erkenntnisse weithin akzeptiert werden, könnte somit großen Einfluss auf die Art und Weise nehmen, wie wir über Gesundheit und Ernährung denken.

Das Mikrobiom für die Krebsdiagnose nutzen

Bei vielen Krankheiten, insbesondere bei Krebserkrankungen, ist es essenziell für die Heilungschancen, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und eine Behandlung einzuleiten. Die Mikrobiom-Forschung könnte den Weg zu einem neuen Ansatz bei der Diagnose von Krebs und anderen schwerwiegenden Erkrankungen ebnen.

Das Unternehmen Metabiomics, eine noch junge Firma im Bereich der molekularen Diagnostik, arbeitet an der Krebsdiagnose mithilfe des Mikrobioms: Eine nicht-invasive Stuhlprobe soll Aufschluss über die Darmflora geben und Polypen oder Darmkrebs identifizieren. Eine neue, patentierte DNA-Sequenzierungs-Technik ermöglicht, die Darmflora auf bislang noch nicht gekannte Art und Weise zu untersuchen.

Bakteriencocktails für ein gesünderes und längeres Leben?

Natürlich beschränkt sich die Erforschung des Mikrobioms zu medizinischen Zwecken nicht allein auf die Diagnose von Krebserkrankungen. Andere Unternehmen wie Enterome oder Evolve Biosystems arbeiten ebenfalls an neuen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten mithilfe der menschlichen Darmflora, um beispielsweise Morbus Crohn oder Fettleibigkeit behandeln zu können.

Vor allem die Bereiche Prävention und Krankheitsmanagement können von den neuen Forschungszweigen profitieren. Viele gesunde Menschen sind noch nicht bereit, Krankheiten durch die Einnahme von Medikamenten vorzubeugen – vor allem wenn keine Symptome zu erkennen sind, scheint das Einnehmen von Medikamenten nicht zielführend zu sein. Mit zunehmenden Erkenntnissen aus der Mikrobiom-Forschung könnte sich die Einstellung gegenüber Prävention und Ernährung jedoch verändern.

Das Mikrobiom hat einen großen Einfluss auf jede unserer Lebensphasen, egal ob es der Diagnose einer Krankheit oder der Behandlung bzw. Prävention einer solchen dient. In der Konsequenz können präventiv und – wichtig – auf das Mikrobiom des Menschen individuell angepasste probiotische ‚Cocktails‘ ein gesünderes und damit auch längeres Leben ermöglichen.

Aber mit der gegenwärtigen Massenproduktion von Lebensmitteln hat das dann natürlich nichts mehr zu tun.

1 Kommentar

  1. office@praxis-natur-heilung.at'

    Robert Haas

    28. März 2017 at 17:11

    Hi Tim!

    Es wäre wichtig, das eigene Mikrobiom mit frischer, natürlicher und nicht industriell verarbeiteter Nahrung zu unterstützen. Produkte dieser Kategorie werden als Lebensmittel klassifiziert. In unseren heutigen Supermärkten finden wir zu 98% denaturierte Nahrungsmittel, mit denen die Darmflora negativ beeinflusst oder sogar dezimiert wird.
    Ebenfalls haben Stress, Zucker, Glukosesirup, Medikamente, Alkohol, und alle Umweltgifte eine negative Auswirkung auf die Darmbakterien und die Darmschleimhaut.

    Eine jährliche Auffrischung der eigenen Darmbakterien mit guten und geeigneten Probiotika wäre jedem Menschen anzuraten. Besonders wirksam ist das im Herbst, der nach TCM der Wandlungsphase Metall zugeordnet ist, in der der Dickdarm und die Schleimhäute im Vordergrund der energetischen Energieflüsse im Menschen stehen.

    Alles Gute
    Robert Haas

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