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Warum Würmer gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankung helfen

Ausgerechnet in den Ländern mit den höchsten Hygienestandards sind chronisch-entzündliche Darmerkankungen besonders verbreitet. Offenbar spielen Würmer dabei eine wesentliche Rolle. Genau genommen: fehlende Würmer.

Eigentlich seltsam: ausgerechnet in den Ländern mit den höchsten Hygienestandards sind chronisch-entzündliche Darmerkankungen wie Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn besonders verbreitet. Für Anhänger der ‚Hygiene-Hypothese‘ ist das allerdings kaum überraschend. Denn schon seit längerem machen Wissenschaftler übertriebene Sauberkeit für diesen Zustand verantwortlich, und immer mehr Studien stützen diesen Verdacht.

Würmer als Trainingspartner?

In unserer Evolution haben Würmer immer eine Rolle gespielt: der menschliche Organismus hat sich mit der Zeit Methoden antrainiert, um die Plage loszuwerden. Doch in unserer heutigen übertrieben hygienischen Welt scheint er diese Fähigkeit zu verlieren, denn es fehlen die Sparrings-Partner, in diesem Fall: Würmer.

Was passiert nun genau, wenn unser Körper bzw. der Darm eine Invasion von Würmern bemerkt?

In der Studie des NYU Langone Medical Center wurden dafür Mäuse beobachtet, die mit Darmwürmern infiziert wurden. Die Auswirkungen auf einige Bakterienarten im Darm waren drastisch: Während die Bacteroides um das tausendfache reduziert wurden, erlebten die Clostridia-Bakterien eine Verzehnfachung.

Die Bedeutung für die Medizin wird klar wenn man weiß, dass Bacteroides Entzündungen fördern (und insbesondere mit CED in Verbindung gebracht werden), während Clostridia entzündungshemmend wirken.

Die Immunantwort des Körpers fördert also das Wachstum der Clostridia, und die wiederum verscheuchen die Bacteroides aus dem Darm. Wie das gelingt, ist nicht ganz klar, es könnte unter anderem mit Giftstoffen zu tun haben, mit denen Clostridia ihre Rivalen bekämpfen (s. hierzu den Artikel Darm Wars – Krieg der Bakterien).

Parasiten vs. Bakterien: ein Ansatz gegen Autoimmun-Erkrankungen

Die Studie zeigt laut dem Parasitologen Prof. Loke erstmalig eine Verbindung zwischen Parasiten, Bakterien und der Entstehung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf. Demnach könne das Modell auch auf weitere Autoimmun-Erkrankungen (wir schrieben ja schon über Würmer im Einsatz gegen Zöliakie) wie Multiple Sklerose, Typ-1-Diabetes und rheumatoide Arthritis angewandt werden.

In all diesen Fällen überreagiert das Immunsystem, und die Methoden zur Bekämpfung von Fremdkörpern wenden sich in der Folge gegen körpereigene Zellen.

Landleben: mehr Würmer, weniger CED

In ländlichen Gebieten von Malaysia, wo Wurminfektionen an der Tagesordnung sind, ist zugleich die Rate der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) besonders niedrig. In nahegelegenen Städten war beides umgekehrt: weniger Würmer, mehr Bacteroides, mehr CED. Aber schon im Anschluss an eine Wurmkur war der Stadt-Effekt festzustellen: das Verhältnis der Bakterien normalisierte sich wieder, sehr zum Nachteil für CED-Patienten.

Nicht die Würmer heilen die Entzündung, sondern die Reaktion des Körpers darauf. Deswegen ist eine Therapie denkbar, bei der schlicht Immunstoffe benutzt werden, die bei einem Wurmbefall üblicherweise produziert werden. Dadurch wird der Körper dazu gebracht, die entzündungsfördernden Bakterien zu reduzieren.

Das wäre sicherlich deutlich akzeptabler für Patienten, als sich freiwillig einer Wurminfektion auszusetzen.

Suche nach unbedenklichen Helfern

Da das Ergebnis immer auch eine Ausweitung der Clostridium-Bakterien ist, wollen die Forscher nun nach harmlosen Varianten suchen, die entzündungshemmend wirken und sich daher für Therapien gegen CED & Co. eignen.

Einen Vertreter werden sie sicher sofort ausgeschlossen haben: Die Clostridium Difficile Bakterien verursachen so schwere Durchfallerkrankungen, dass allein in Europa jährlich rd. 27.000 Patienten daran sterben.

Quelle: https://www.sciencedaily.com/releases/2016/04/160414145513.htm

 

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