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Weizensensitivität – Gluten ist nicht das Problem

Soviel ist klar: Weder eine autoimmune noch eine allergische Reaktion des Körpers steckt hinter einer Weizensensitivität (auch: Nicht-Zöliakie-Nicht-Allergie-Weizensensitivität). Zugrunde liegt nach bisherigen Erkenntnissen eine Intoleranz gegen andere Weizenbestandteile als Gluten. Das Krankheitsbild ist jedoch recht unscharf definiert und die internationalen Forschungsarbeiten laufen derzeit auf Hochtouren…

Was ist eine Weizensensitivität und wie äußert sie sich?

Bei einer Weizensensitivität besteht eine Intoleranz gegenüber bestimmten Bestandteilen des Getreides, die leichte Entzündungen des Darms auslösen. Die Entzündungsstoffe verteilen sich dann über die Blutbahnen im gesamten Organismus, wo sie eine Verschlimmerung anderer bestehender Entzündungen hervorrufen. Typisch für diese Erkrankung ist, dass Beschwerden wie z.B. Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen oder auch Verstopfung in Verbindung mit der Aufnahme bestimmter Getreidesorten zeitnah auftreten und bei einer Diät ebenso rasch auch wieder verschwinden. Zu den weiteren Beschwerden können auch Müdigkeit, Hautveränderungen sowie Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen gehören.

Wodurch wird eine Weizensensitivität verursacht?

Vermutlich wird eine Weizensensitivität durch in Weizen und verwandten Sorten wie beispielsweise Roggen und Gerste enthaltene Eiweißstoffe mit der Bezeichnung ATI (Amylase-Trypsin-Inhibitoren) hervorgerufen. Diese könnten nach aktueller Einschätzung der Wisssenschaft auch bei weiteren Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Rheumatoider Arthritis eine Rolle spielen.

Darüber hinaus stehen nach dem Stand der laufenden Forschungen auch sogenannte FODMAPs (Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide), die neben Getreide auch in Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten vorkommen, als Verursacher der Beschwerden in Verdacht.

Pflanzlicher Schädlingsschutz macht unserer Verdauung Stress

Die zusammen mit Gluten auftretenden ATIs sind für die Pflanzen selbst nützlich, denn sie stellen einen natürlichen Schutz gegen Schädlinge dar. Aufgrund veränderter Anbaumethoden in den letzten Jahrzehnten sind ATIs jedoch mittlerweile verstärkt im Getreide enthalten und finden sich ebenfalls als versteckte Zusätze in einer breiten Palette von Fertigprodukten wie Suppen und Soßen aber auch in Süßwaren und Desserts (z.B. als Trägerstoff für Aromen).

Stark gewandelt hat sich ebenso die Produktion der Backwaren. Frühere langsamere Verfahren haben bewirkt, dass für den menschlichen Körper problematische Inhaltsstoffe – u.a. im Rahmen der Verwendung von Sauerteig – inaktiviert oder abgebaut wurden. Dies ist bei heutzutage häufig schnell und billig hergestellten Produkten / Aufbackwaren nicht der Fall!

Zusammengefasst lassen diese Entwicklungen aus der Sicht der Forschung möglicherweise nun den Schluss zu, dass auch die Menge der aufgenommenen ATIs entscheidend für das Ausmaß der auftretenden Weizensensitivitäten sein mag.

Welche Möglichkeiten zur Diagnose einer Weizensensitivität bestehen?

Eine Weizensensitivität kann derzeit lediglich im sogenannten Ausschlussverfahren festgestellt werden. Falls weder eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) noch eine Weizenallergie oder eine andere organische Erkrankung ärztlich festgestellt werden konnte, werden weitere Tests durchgeführt. Eine Weizensensitivität wird als wahrscheinlich angesehen, wenn die Beschwerden bei einer weizenfreien Ernährungsweise abklingen und bei einer erneuten kontrollierten Aufnahme direkt wieder auftreten. Aufgrund der schwierigen Diagnose und der komplexen Zusammenhänge – u.a. auch für Patientinnen und Patienten mit Reizdarmsyndrom – ist es für Betroffene unbedingt ratsam, eine spezialisierte Praxis für Darmerkrankungen aufzusuchen!

Wie kann eine Weizensensitivität therapiert werden?

Auch im Falle einer Weizensensitivität besteht für Betroffene lediglich die Möglichkeit, die Beschwerden verursachenden Inhaltsstoffe bei der Nahrungsaufnahme zu vermeiden. Allerdings muss die Diät weniger strikt eingehalten werden, als bei einer Glutenunverträglichkeit, wo bereits kleinste Spuren von Gluten zur gefährlichen Autoimmunreaktion führen. Im Einzelfall kann durch eine professionelle Ernährungsberatung die Lebensqualität der Betroffenen deutlich gesteigert werden (häufig sogar mit gleichzeitig positiven Effekten für die Haushaltskasse, da gluten-/weizenfreie Produkte – die auch keine ATIs enthalten – oft deutlich teurer angeboten werden, als herkömmliche Artikel…).

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