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Wir und unsere Darmbakterien: Wer kontrolliert hier wen?

Möglicherweise sind wir unseren Darmbakterien doch nicht ganz ausgeliefert. Das legt zumindest eine in dieser Woche veröffentlichte Studie nahe.

Bislang hat vieles darauf hingedeutet, dass unsere Darmbakterien neben alltäglichen Aufgaben wie der Verdauung und Abwehr von Infektionen auch Einfluss auf die Chemie unseres Hirns und damit unser Verhalten nehmen. Damit ist nicht nur das berühmte Bauchgefühl gemeint, das alle wichtigen Entscheidungen stets vor unserem Kopf zu treffen scheint, sondern auch psychische Störungen und Ängste, die mit der Bakterienbevölkerung im Darm in Verbindung gebracht werden.

Also ist der Darm unser heimlicher Chef? Oder eher doch nicht?

Nun, anscheinend geht es auch anders herum, und das ist ja irgendwie auch beruhigend. Forscher der Harvard Medical School haben in ihrer Studie zumindest schon mal an Mäusen einen entsprechenden Beweis erbracht. Sie bemerkten, dass der Kot der kleinen Nager voll kleiner Moleküle steckt (so genannte „microRNA“), die das Mikrobiom des Darms formen und regulieren – auch im Menschen kommen sie vor.

Auftritt für die ‚Darm-Polizei‘

Das Team des Neurologen Howard Weiner versuchte nun, Herkunft und Arbeitsweise der Moleküle zu verstehen. Dabei wurde mit Hilfe aufwändiger Züchtungen klar, dass die Zellen der Darmwände die wichtigsten Produzenten der microRNAs sind.

Interessant wurde es nun, als man ihre Arbeit unter die Lupe nahm. Denn diese winzigen Moleküle scheinen tatsächlich Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmbakterien zu nehmen, sie agieren gewissermaßen wie Ordnungshüter. Mäuse mit zu wenig microRNA im Darm entwickelten zum Beispiel schneller chronische Entzündungen im Darm (s. Colitis).

Erhielten sie jedoch über eine entsprechende Übertragung ausreichend microRNA von gesunden Mäusen direkt in den Darm (vergleichbar mit einer Stuhltransplantation), normalisierte sich die Bakterienbevölkerung im Darm auf ein gesundes Maß.

In weiteren Experimenten stellte sich zudem heraus, dass es unterschiedliche Sorten dieser Moleküle gibt, und jede davon andere Bakterien im Darm des Nagers steuern konnte. Die Forscher waren sogar in der Lage, mit synthetisch hergestellten microRNA das Wachstum einer Bakteriensorte (hier ging es um E-Coli Bakterien) zu verdoppeln.

Mit anderen Worten: Unser Körper hat auch ein Wörtchen mit zu reden bei allem, was im Darm passiert. Und die Medizin kann sich das für sehr gezielte Behandlungsmethoden zunutze machen.

Stuhltransplantation bald ohne Risiko?

Aktuell ist die Stuhltransplantation eine erstaunlich effektive Therapie gegen schwere Durchfallerkrankung (C.Diff). Doch kann es auch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, und das schränkt den Einsatz aktuell noch stark ein. Wenn man jedoch dem Stuhl eine Reihe von künstlich erzeugter microRNA-Agenten zufügen und auf die Weise sicher stellen könnte, dass der Stuhl keine unerwünschten Nebenwirkungen mit sich führt, dann wäre das ein großer Fortschritt.

Was aber leider noch nicht ausprobiert werden konnte ist, ob wir mit der Kraft unserer Gedanken die microRNAs ausschwärmen lassen und Verdauungsprobleme beseitigen können. Schade eigentlich.

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